{"id":41250,"date":"2019-02-05T08:55:24","date_gmt":"2019-02-05T07:55:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claret.org\/dokument-uber-menschliche-bruderlichkeit-fur-frieden-und-zusammenleben-in-der-welt\/"},"modified":"2020-10-13T17:19:19","modified_gmt":"2020-10-13T15:19:19","slug":"dokument-uber-menschliche-bruderlichkeit-fur-frieden-und-zusammenleben-in-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claret.org\/de\/dokument-uber-menschliche-bruderlichkeit-fur-frieden-und-zusammenleben-in-der-welt\/","title":{"rendered":"Dokument \u00fcber menschliche Br\u00fcderlichkeit f\u00fcr Frieden und Zusammenleben in der Welt"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\">DOKUMENT \u00dcBER<b> <\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>DIE BR\u00dcDERLICHKEIT ALLER MENSCHEN<\/b><\/p>\n<p align=\"center\">F\u00dcR EIN FRIEDLICHES ZUSAMMENLEBEN IN DER WELT<\/p>\n<p align=\"center\"><b>VORWORT<\/b><\/p>\n<p>Der Glaube l\u00e4sst den Gl\u00e4ubigen im anderen einen Bruder sehen, den man unterst\u00fctzt und liebt. Aus dem Glauben an Gott, der das Universum, die Gesch\u00f6pfe und alle Menschen \u2013 aufgrund seines Erbarmens \u2013 mit gleicher W\u00fcrde erschaffen hat, ist der Gl\u00e4ubige gerufen, diese menschliche Br\u00fcderlichkeit zum Ausdruck zu bringen, indem er die Sch\u00f6pfung und das ganze Universum bewahrt und jeden Menschen unterst\u00fctzt, besonders die am meisten Bed\u00fcrftigen und die \u00c4rmsten.<\/p>\n<p>Ausgehend von diesem transzendenten Wert haben wir uns in verschiedenen Begegnungen, die von einer Atmosph\u00e4re der Br\u00fcderlichkeit und Freundschaft gepr\u00e4gt waren, \u00fcber die Freuden, Leiden und Probleme der heutigen Welt im Hinblick auf den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt, die Errungenschaften in der Medizin, das digitale Zeitalter, die Massenmedien und Kommunikationsmittel ausgetauscht; \u00fcber die Armut, die kriegerischen Auseinandersetzungen und das Leiden so vieler Br\u00fcder und Schwestern in verschiedenen Teilen der Welt, die hervorgerufen werden durch Wettr\u00fcsten, soziale Ungerechtigkeit, Korruption, Ungleichheit, moralischen Verfall, Terrorismus, Diskriminierung, Extremismus und viele weitere Ursachen.<\/p>\n<p>Aus diesem br\u00fcderlichen und aufrichtigen Austausch, den wir hatten, und aus der Begegnung voller Hoffnung auf eine strahlende Zukunft f\u00fcr alle Menschen, entstand die Idee dieses \u00bbDokuments \u00fcber die <i>Br\u00fcderlichkeit aller Menschen<\/i>\u00ab. Das Dokument ist aufrichtig und sorgf\u00e4ltig durchdacht und soll eine gemeinsame Erkl\u00e4rung guten und aufrichtigen Willens sein, so dass es alle, die in ihren Herzen den Glauben an Gott und den Glauben an die <i>Br\u00fcderlichkeit aller Menschen<\/i> tragen, einl\u00e4dt, sich zusammenzutun und gemeinsam daran zu arbeiten, und dass das Dokument so f\u00fcr die jungen Generationen zu einem Leitfaden einer Kultur des gegenseitigen Respekts wird, im Verst\u00e4ndnis der gro\u00dfen g\u00f6ttlichen Gnade, die alle Menschen zu Br\u00fcdern macht.<span style=\"color: #663300;\"><br clear=\"all\" \/><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><b>DOKUMENT<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Namen Gottes, der alle Menschen mit gleichen Rechten, gleichen Pflichten und gleicher W\u00fcrde geschaffen hat und der sie dazu berufen hat, als Br\u00fcder und Schwestern miteinander zusammenzuleben, die Erde zu bev\u00f6lkern und auf ihr die Werte des Guten, der Liebe und des Friedens zu verbreiten.<\/p>\n<p>Im Namen der unschuldigen menschlichen Seele, die zu t\u00f6ten Gott verboten hat, wenn er sagt, dass jeder, der einen Menschen ermordet, so ist, als h\u00e4tte er die ganze Menschheit get\u00f6tet, und dass jeder, der einen Menschen rettet, so ist, als h\u00e4tte er die ganze Menschheit gerettet.<\/p>\n<p>Im Namen der Armen, Notleidenden, Bed\u00fcrftigen und Ausgegrenzten, denen beizustehen nach Gottes Gebot alle verpflichtet sind, insbesondere alle verm\u00f6genden und wohlhabenden Menschen.<\/p>\n<p>Im Namen der Waisen, Witwen, Fl\u00fcchtlinge und aller, die aus ihren H\u00e4usern und Heimatl\u00e4ndern vertrieben wurden, aller Opfer von Krieg, Verfolgung und Ungerechtigkeit; im Namen aller Schwachen, aller in Angst lebenden Menschen, der Kriegsgefangenen und der Gefolterten \u00fcberall auf der Welt, ohne irgendeinen Unterschied.<\/p>\n<p>Im Namen der V\u00f6lker, die der Sicherheit, des Friedens und des gemeinsamen Zusammenlebens entbehren und Opfer von Zerst\u00f6rung, Niedergang und Krieg wurden.<\/p>\n<p>Im Namen der \u00bb<i>Br\u00fcderlichkeit aller Menschen<\/i>\u00ab, die alle umfasst, vereint und gleich macht an W\u00fcrde.<\/p>\n<p>Im Namen dieser <i>Br\u00fcderlichkeit<\/i>, welche durch die politischen Bestrebungen von Integralismus und Spaltung sowie durch ma\u00dflos gewinnorientierte Systeme und abscheuliche ideologische Tendenzen, die die Handlungen und Schicksale der Menschen manipulieren, entzweit wird.<\/p>\n<p>Im Namen der Freiheit, die Gott allen Menschen geschenkt hat, als er sie frei geschaffen und mit dieser besonderen W\u00fcrde auszeichnet hat.<\/p>\n<p>Im Namen der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit, den Grundlagen des Wohlstands und den Eckpfeilern des Glaubens.<\/p>\n<p>Im Namen aller Menschen guten Willens an allen Orten der Welt.<\/p>\n<p>Im Namen Gottes und all dieser erkl\u00e4ren Al-Azhar al-Sharif \u2013 mit den Muslimen von Ost und West \u2013 und die Katholische Kirche \u2013 mit den Katholiken von Ost und West \u2013 gemeinsam, dass sie die Kultur des Dialogs als Weg, die allgemeine Zusammenarbeit als Verhaltensregel und das gegenseitige Verst\u00e4ndnis als Methode und Ma\u00dfstab annehmen wollen.<\/p>\n<p>Wir \u2013 die wir an Gott und an die endg\u00fcltige Begegnung mit ihm und an sein Gericht glauben \u2013 verlangen ausgehend von unserer religi\u00f6sen und moralischen Verantwortung mit diesem Dokument von uns selbst und den leitenden Pers\u00f6nlichkeiten in der Welt, von den Architekten der internationalen Politik und der globalen Wirtschaft, ein ernsthaftes Engagement zur Verbreitung einer Kultur der Toleranz, des Zusammenlebens und des Friedens; ein schnellstm\u00f6gliches Eingreifen, um das Vergie\u00dfen von unschuldigem Blut zu stoppen und Kriegen, Konflikten, Umweltzerst\u00f6rung und dem kulturellen und moralischen Niedergang, den die Welt derzeit erlebt, ein Ende zu setzen.<\/p>\n<p>Wir rufen die Intellektuellen, die Philosophen, die Vertreter der Religionen, die K\u00fcnstler, die Medienleute und die Kulturschaffenden in der ganzen Welt auf, die Werte des Friedens, der Gerechtigkeit, des Guten, der Sch\u00f6nheit, der menschlichen Br\u00fcderlichkeit und des gemeinsamen Zusammenlebens wiederzuentdecken, um die Bedeutung dieser Werte als Rettungsanker f\u00fcr alle deutlich zu machen und sie m\u00f6glichst \u00fcberall zu verbreiten.<\/p>\n<p>Ausgehend von einer tiefen Reflexion \u00fcber unsere gegenw\u00e4rtige Realit\u00e4t, in Achtung vor ihren Erfolgen und im Miterleben ihrer Leiden, ihrer Ungl\u00fccke und Katastrophen, kommt diese Erkl\u00e4rung zu der \u00dcberzeugung, dass Hauptursachen f\u00fcr die Krise der modernen Welt ein bet\u00e4ubtes menschliches Gewissen und eine Entfremdung von religi\u00f6sen Werten sowie die Dominanz von Individualismus und materialistischen Philosophien ist, die den Menschen verg\u00f6ttlichen und weltliche wie auch materielle Werte an die Stelle der h\u00f6chsten und transzendenten Prinzipien setzen.<\/p>\n<p>In Anerkennung der positiven Entwicklung, die unsere moderne Zivilisation in den Bereichen der Wissenschaft, der Technologie, der Medizin, der Industrie und des Wohlstands insbesondere in den entwickelten L\u00e4ndern genommen hat, betonen wir, dass mit diesen gro\u00dfen und gesch\u00e4tzten historischen Fortschritten auch ein Verfall der Ethik, die internationales Handeln pr\u00e4gt, sowie eine Schw\u00e4chung der geistlichen Werte und des Verantwortungsbewusstseins einhergeht. All dies tr\u00e4gt dazu bei, dass sich ein allgemeines Gef\u00fchl von Frustration, Einsamkeit und Verzweiflung ausbreitet, das viele dazu bringt, entweder in den Strudel des atheistischen und agnostischen Extremismus oder in einen religi\u00f6sen Integralismus, Extremismus und blinden Fundamentalismus zu verfallen und so andere Menschen dazu f\u00fchrt, sich Formen der Abh\u00e4ngigkeit und der individuellen und kollektiven Selbstzerst\u00f6rung zu ergeben.<\/p>\n<p>Die Geschichte macht deutlich, dass religi\u00f6ser wie nationaler Extremismus und Intoleranz in der Welt, sowohl im Westen als auch im Osten, etwas hervorgerufen haben, was man als Anzeichen eines \u00bb<i>st\u00fcckweisen Dritten Weltkriegs<\/i>\u00ab bezeichnen k\u00f6nnte, Anzeichen, die in verschiedenen Teilen der Welt und unter verschiedenen tragischen Bedingungen bereits ihr grausames Gesicht gezeigt haben; Situationen, von denen nicht genau bekannt ist, wie viele Opfer, Witwen und Waisen sie hervorgebracht haben. Dar\u00fcber hinaus gibt es andere Bereiche, die dabei sind, sich zum Schauplatz neuer Konflikte zu entwickeln, in denen es Spannungsherde und Anh\u00e4ufungen von Waffen und Munition gibt, und zwar in einer global von Unsicherheit, Entt\u00e4uschung, Zukunftsangst und von kurzsichtigen wirtschaftlichen Interessen gepr\u00e4gten Situation.<\/p>\n<p>Wir bekr\u00e4ftigen auch, dass die heftigen politischen Krisen, die Ungerechtigkeit und das Fehlen einer gerechten Verteilung der nat\u00fcrlichen Ressourcen \u2013 von denen nur eine Minderheit Reicher auf Kosten der Mehrheit der Erdbev\u00f6lkerung profitiert \u2013 eine enorme Anzahl an Kranken, Bed\u00fcrftigen und Toten hervorgebracht haben und weiterhin hervorrufen und t\u00f6dliche Krisen verursachen, denen mehrere L\u00e4nder ausgesetzt sind, trotz des nat\u00fcrlichen Reichtums und der Ressourcen der jungen Generationen, die sie kennzeichnen. Angesichts dieser Krisen, die dazu f\u00fchren, dass Millionen von Kindern an Hunger sterben, die aufgrund von Armut und Unterern\u00e4hrung bereits bis auf die Knochen abgemagert sind, herrscht ein inakzeptables internationales Schweigen.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang wird deutlich, wie wichtig die Familie als grundlegender Kern der Gesellschaft und der Menschheit ist, um Kinder zur Welt zu bringen, aufzuziehen, heranzubilden und ihnen eine solide Moral und famili\u00e4ren Schutz zu bieten. Die Institution der Familie anzugreifen, sie zu verachten oder an der Bedeutung ihrer Rolle zu zweifeln, ist eines der gef\u00e4hrlichsten \u00dcbel unserer Zeit.<\/p>\n<p>Wir best\u00e4tigen auch die Wichtigkeit des Wiedererwachens des Sinns f\u00fcr das Religi\u00f6se und der Notwendigkeit, ihn in den Herzen der neuen Generationen durch die gesunde Erziehung und die Annahme der moralischen Werte und der rechten religi\u00f6sen Lehren wiederzubeleben, um den individualistischen, egoistischen, konfliktbeladene Tendenzen, dem Radikalismus und dem blinden Extremismus in all seinen Formen und Erscheinungen entgegenzutreten.<\/p>\n<p>Das erste und wichtigste Ziel der Religionen ist es, an Gott zu glauben, ihn zu ehren und alle Menschen dazu aufzurufen zu glauben, dass dieses Universum von einem Gott abh\u00e4ngig ist, der es f\u00fchrt, der der Sch\u00f6pfer ist, der uns mit seiner g\u00f6ttlichen Weisheit geformt hat und uns die Gabe des Lebens geschenkt hat, um sie zu beh\u00fcten. Niemand hat das Recht, diese Gabe wegzunehmen, zu bedrohen oder nach seinem Gutd\u00fcnken zu manipulieren. Im Gegenteil m\u00fcssen alle diese Gabe des Lebens von ihrem Anfang bis zu ihrem nat\u00fcrlichen Tod zu bewahren. Deshalb verurteilen wir alle Praktiken, die das Leben bedrohen, wie die Genozide, die terroristischen Akte, die Zwangsumsiedlungen, den Handel mit menschlichen Organen, die Abtreibung und die Euthanasie sowie die politischen Handlungsweisen, die all dies unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Ebenso erkl\u00e4ren wir mit Festigkeit, dass die Religionen niemals zum Krieg aufwiegeln und keine Gef\u00fchle des Hasses, der Feindseligkeit, des Extremismus wecken und auch nicht zur Gewalt oder zum Blutvergie\u00dfen auffordern. Diese Verh\u00e4ngnisse sind Frucht der Abweichung von den religi\u00f6sen Lehren, der politischen Nutzung der Religionen und auch der Interpretationen von Gruppen von religi\u00f6sen Verantwortungstr\u00e4gern, die in gewissen Geschichtsepochen den Einfluss des religi\u00f6sen Empfindens auf die Herzen der Menschen missbraucht haben: Die Gl\u00e4ubigen sollten dazu gef\u00fchrt werden, Dinge zu tun, die nichts mit der Wahrheit der Religion zu tun haben; sie sollten weltliche und kurzsichtige politische und wirtschaftliche Ziele verwirklichen. Deshalb bitten wir alle aufzuh\u00f6ren, die Religionen zu instrumentalisieren, um Hass, Gewalt, Extremismus und blinden Fanatismus zu entfachen. Wir bitten, es zu unterlassen, den Namen Gottes zu benutzen, um Mord, Exil, Terrorismus und Unterdr\u00fcckung zu rechtfertigen. Wir bitten darum aufgrund unseres gemeinsamen Glaubens an Gott, der die Menschen nicht erschaffen hat, damit sie get\u00f6tet werden oder sich gegenseitig bek\u00e4mpfen, und auch nicht, damit sie in ihrem Leben und in ihrer Existenz gequ\u00e4lt und gedem\u00fctigt zu werden. Denn Gott, der Allm\u00e4chtige, hat es nicht n\u00f6tig, von jemandem verteidigt zu werden; und er will auch nicht, dass sein Name benutzt wird, um die Menschen zu terrorisieren.<\/p>\n<p>Dieses Dokument bekr\u00e4ftigt im Einklang mit den vorausgehenden <i>Internationalen Dokumenten<\/i>, die die Wichtigkeit der Rolle der Religionen im Aufbau des weltweiten Friedens hervorgehoben haben, das Folgende:<\/p>\n<p>\u2013    Die feste \u00dcberzeugung, dass die wahren Lehren der Religionen dazu einladen, in den Werten des Friedens verankert zu bleiben; dass sie dazu anregen, die Werte des gegenseitigen Kennens, der <i>Br\u00fcderlichkeit aller Menschen <\/i>und des allgemeinen Miteinanders zu vertreten; dass sie darauf hinwirken, dass die Weisheit, die Gerechtigkeit und die N\u00e4chstenliebe wiederhergestellt werden und der Sinn f\u00fcr die Religiosit\u00e4t unter den jungen Menschen wiedererweckt wird, um die neuen Generationen vor der Vorherrschaft des materialistischen Gedankenguts, vor der Gefahr der politischen Handlungsweisen der Gier nach ma\u00dflosem Gewinn und vor der Gleichg\u00fcltigkeit zu sch\u00fctzen, die alle auf dem Gesetz der Kraft und nicht auf der Gesetzeskraft begr\u00fcndet sind.<\/p>\n<p>\u2013    Die Freiheit ist ein Recht jedes Menschen: ein jeder genie\u00dft Bekenntnis-, Gedanken-, Meinungs-, und Handlungsfreiheit. Der Pluralismus und die Verschiedenheit in Bezug auf Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Ethnie und Sprache entsprechen einem weisen g\u00f6ttlichen Willen, mit dem Gott die Menschen erschaffen hat. Diese g\u00f6ttliche Weisheit ist der Ursprung, aus dem sich das Recht auf Bekenntnisfreiheit und auf die Freiheit, anders zu sein, ableitet. Deshalb wird der Umstand verurteilt, Menschen zu zwingen, eine bestimmte Religion oder eine gewisse Kultur anzunehmen wie auch einen kulturellen Lebensstil aufzuerlegen, den die anderen nicht akzeptieren.<\/p>\n<p>\u2013    Die Gerechtigkeit, die auf der Barmherzigkeit gr\u00fcndet, ist der Weg, der beschritten werden muss, um zu einem w\u00fcrdigen Leben zu gelangen, auf das jeder Mensch Anspruch hat.<\/p>\n<p>\u2013   Der Dialog, die Verst\u00e4ndigung, die Verbreitung der Kultur der Toleranz, der Annahme des Anderen und des Zusammenlebens unter den Menschen w\u00fcrden betr\u00e4chtlich dazu beitragen, viele wirtschaftliche, soziale, politische und umweltbezogene Probleme zu verringern, die einen gro\u00dfen Teil des Menschengeschlechts bedr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>\u2013   Der Dialog unter den Gl\u00e4ubigen bedeutet, sich im enormen Raum der gemeinsamen geistlichen, menschlichen und gesellschaftlichen Werte zu begegnen und diese zugunsten der h\u00f6chsten moralischen Tugenden einzusetzen, die von den Religionen erweckt werden; er bedeutet auch, die unn\u00fctzen Diskussionen zu vermeiden.<\/p>\n<p>\u2013    Der Schutz der Gottesdienstst\u00e4tten \u2013 Tempel, Kirchen und Moscheen \u2013 ist eine von den Religionen, den menschlichen Werten, den Gesetzen und den internationalen Konventionen gew\u00e4hrleistete Verpflichtung. Jeder Versuch, die Gottesdienstst\u00e4tten anzugreifen oder sie durch Attentate oder Explosionen oder Zerst\u00f6rungen zu bedrohen, ist eine Abweichung von den Lehren der Religionen sowie eine klare Verletzung des V\u00f6lkerrechts.<\/p>\n<p>\u2013   Der verdammenswerte Terrorismus, der die Sicherheit der Personen im Osten als auch im Westen, im Norden als auch im S\u00fcden bedroht und Panik, Angst und Schrecken sowie Pessimismus verbreitet, ist nicht der Religion geschuldet \u2013 auch wenn die Terroristen sie instrumentalisieren \u2013, sondern den angeh\u00e4uften falschen Interpretationen der religi\u00f6sen Texte, den politischen Handlungsweisen des Hungers, der Armut, der Ungerechtigkeit, der Unterdr\u00fcckung, der Anma\u00dfung; deswegen ist es notwendig, die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die terroristischen Bewegungen durch Bereitstellung von Geldern, Waffen, Pl\u00e4nen oder Rechtfertigungen und auch durch die medizinische Versorgung einzustellen und all dies als internationale Verbrechen anzusehen, die die weltweite Sicherheit und Frieden bedrohen. Man muss einen derartigen Terrorismus in all seinen Formen und Erscheinungen verurteilen.<\/p>\n<p>\u2013   Die Auffassung von B\u00fcrgerrecht fu\u00dft auf der Gleichheit der Rechte und Pflichten, unter deren Schutz alle die gleiche Gerechtigkeit genie\u00dfen. Daher ist notwendig, sich daf\u00fcr einzusetzen, dass in unseren Gesellschaften die Auffassung des <i> vollwertigen B\u00fcrgerrechts<\/i> festgelegt und auf eine diskriminierende Verwendung des Begriffs <i>Minderheiten <\/i>verzichtet wird. Diese bringt den Samen des Gef\u00fchls der Isolation und der Minderwertigkeit mit sich; sie bereitet der Feindseligkeit und dem Unfrieden den Boden und nimmt die Errungenschaften und die religi\u00f6sen und zivilen Rechte einiger B\u00fcrger weg, w\u00e4hrend sie diese diskriminiert.<\/p>\n<p>\u2013   Es ist unbestreitbar, dass die Beziehung zwischen dem Westen und dem Osten von gegenseitiger Notwendigkeit ist und weder ersetzt noch vernachl\u00e4ssigt werden kann, damit beide durch den Austausch und Dialog der Kulturen sich gegenseitig kulturell bereichern. Der Westen k\u00f6nnte in der Kultur des Ostens Heilmittel f\u00fcr einige seiner geistigen und religi\u00f6sen Krankheiten finden, die von der Vorherrschaft des Materialismus hervorgerufen wurden. Und der Osten k\u00f6nnte in der Kultur des Westens viele Elemente finden, die ihm hilfreich sind, sich vor der Schwachheit, der Spaltung, dem Konflikt und vor dem wissenschaftlichen, technischen und kulturellen Abstieg zu retten. Es ist wichtig, den religi\u00f6sen, kulturellen und historischen Unterschieden Aufmerksamkeit zu schenken, die ein wesentlicher Bestandteil in der Bildung der Pers\u00f6nlichkeit, der Kultur und der Zivilisation des Ostens sind. Es ist auch wichtig, die allgemeinen gemeinsamen Menschenrechte zu festigen, um dazu beizutragen, ein w\u00fcrdiges Leben f\u00fcr alle Menschen im Westen und im Osten zu gew\u00e4hrleisten, wobei der R\u00fcckgriff auf eine doppelte Politik vermieden werden muss.<\/p>\n<p>\u2013   Es ist eine unabdingbare Notwendigkeit, das Recht der Frau auf Bildung, auf Arbeit und auf Aus\u00fcbung der eigenen politischen Rechte anzuerkennen. Ferner muss darauf hingearbeitet werden, die Frau von allen historischen und sozialen Zw\u00e4ngen zu befreien, die gegen die Grunds\u00e4tze des eigenen Glaubens und der eigenen W\u00fcrde stehen. Es ist ebenso notwendig, sie vor der sexuellen Ausbeutung zu besch\u00fctzen wie auch davor, als Ware oder Mittel zum Vergn\u00fcgen oder zum finanziellen Gewinn zu behandelt zu werden. Daher muss man alle unmenschlichen Praktiken und volkst\u00fcmlichen Br\u00e4uche, welche die W\u00fcrde der Frau erniedrigen, einstellen und daf\u00fcr arbeiten, dass die Gesetze ge\u00e4ndert werden, welche die Frauen daran hindern, ihre Rechte voll zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p>\u2013   Der Schutz der Grundrechte der Kinder, in einer famili\u00e4ren Umgebung aufzuwaschen sowie Ern\u00e4hrung, Bildung und Beistand zu erhalten, ist eine Pflicht der Familie und der Gesellschaft. Diese Rechte m\u00fcssen garantiert und gesch\u00fctzt werden, damit sie keinem Kind in keinem Teil der Welt fehlen oder verwehrt werden. Es muss jede Praxis verurteilt werden, welche die W\u00fcrde der Kinder oder ihre Rechte verletzt. Desgleichen ist es wichtig, \u00fcber die Gefahren zu wachen, denen sie \u2013 besonders im digitalen Bereich \u2013 ausgesetzt sind, und das Gesch\u00e4ft mit ihrer Unschuld und jede Verletzung ihrer Kindheit als Verbrechen anzusehen.<\/p>\n<p>\u2013  Der Schutz der Rechte der \u00e4lteren Menschen, der Schwachen, der Menschen mit Behinderung und der Unterdr\u00fcckten ist eine religi\u00f6se und soziale Forderung; er muss durch eine strenge Gesetzgebung und die Anwendung der diesbez\u00fcglichen internationalen Konvention gew\u00e4hrleistet und verteidigt werden.<\/p>\n<p>Zu diesem Zweck verk\u00fcnden und versprechen die Katholische Kirche und Al-Azhar in gemeinsamer Zusammenarbeit, dieses Dokument den Verantwortungstr\u00e4gern, den einflussreichen F\u00fchrungskr\u00e4ften, den Religionsvertretern in aller Welt, den zust\u00e4ndigen Organisationen auf regionaler und internationaler Ebene, den Organisationen der Zivilgesellschaft, den religi\u00f6sen Institutionen und den Meinungsf\u00fchrern zu bringen; sie verk\u00fcnden und versprechen, sich daf\u00fcr einzusetzen, die in dieser Erkl\u00e4rung enthaltenen Grunds\u00e4tze auf allen regionalen und internationalen Ebenen zu verbreiten, indem sie dazu auffordern, diese Grunds\u00e4tze in Politik, Entscheidungen, Gesetzestexten, Studienprogrammen und Kommunikationsmaterialen umzusetzen.<\/p>\n<p>Al-Azhar und die Katholische Kirche bitten, dass dieses Dokument Forschungs- und Reflexionsgegenstand in allen Schulen, in den Universit\u00e4ten und in den Erziehungs- und Bildungseinrichtungen werde, um dazu beizutragen, neue Generationen zu bilden, die das Gute und den Frieden bringen und \u00fcberall das Recht der Unterdr\u00fcckten und der Geringsten verteidigen.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend hoffen wir darauf dass:<\/p>\n<p>diese Erkl\u00e4rung eine Einladung zur Vers\u00f6hnung und zur Br\u00fcderlichkeit unter allen Glaubenden, besser noch unter Glaubenden und Nichtglaubenden sowie unter allen Menschen guten Willens;<\/p>\n<p>dass sie ein Aufruf sei an jedes wache Gewissen, das sich von der abweichenden Gewalt und dem blinden Extremismus lossagt; ein Aufruf an den, der die Werte der Toleranz und Br\u00fcderlichkeit, die von den Religionen gef\u00f6rdert und unterst\u00fctzt werden, liebt;<\/p>\n<p>dass sie ein Zeugnis f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfe des Glaubens an Gott sei, der die getrennten Herzen eint und den menschlichen Geist erhebt;<\/p>\n<p>dass sie ein Symbol f\u00fcr die Umarmung zwischen Ost und West, Nord und S\u00fcd sowie zwischen allen, die glauben, dass Gott uns erschaffen hat, damit wir uns kennen, unter uns zusammenarbeiten und als Br\u00fcder und Schwestern leben, die sich lieben.<\/p>\n<p>Das hoffen und suchen wir zu verwirklichen, um einen universalen Frieden zu erreichen, den alle Menschen in diesem Leben genie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>Abu Dhabi, am 4. Februar 2019<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"width: 100%;\" border=\"0\" width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 43.469%;\" align=\"center\"><span style=\"color: #663300;\">  <\/span>  Seine Heiligkeit<br \/>\nPapst Franziskus<\/td>\n<td style=\"width: 2.14133%;\"> <\/td>\n<td style=\"width: 56.3169%;\" align=\"center\" width=\"388\">Gro\u00dfimam von Al-Azhar<br \/>\nAhmad Al-Tayyeb<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DOKUMENT \u00dcBER DIE BR\u00dcDERLICHKEIT ALLER MENSCHEN F\u00dcR EIN FRIEDLICHES ZUSAMMENLEBEN IN DER WELT VORWORT Der Glaube l\u00e4sst den Gl\u00e4ubigen im anderen einen Bruder sehen, den man unterst\u00fctzt und liebt. 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