{"id":93169,"date":"2020-11-11T08:32:08","date_gmt":"2020-11-11T07:32:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claret.org\/zeugnis-der-einheit\/"},"modified":"2020-11-18T10:21:37","modified_gmt":"2020-11-18T09:21:37","slug":"zeugnis-der-einheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claret.org\/de\/zeugnis-der-einheit\/","title":{"rendered":"Zeugnis der Einheit"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Mitbr\u00fcder,<\/p>\n<p><strong>\u201eIhr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. <\/strong><em>Man z\u00fcndet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus.<\/em><strong> So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Am 24. Oktober haben wir die Feiern zum 150. Todestags unseres Gr\u00fcnder Claret auf eine einfache und gen\u00fcgsame Weise mit einer Handvoll Leute in Vic abgeschlossen. Das erinnerte mich an das einfache Begr\u00e4bnis unseres Gr\u00fcnders am 27. Oktober 1870 im Kloster Fontfroide. Doch viele von euch konnten den Vigilgottesdienst und die anderen Feiern in Vic live \u00fcber das Internet verfolgen. F\u00fcr uns war das Jubil\u00e4umsjahr eine Gelegenheit, tiefer in den Geist unseres Gr\u00fcnders hineinzuwachsen und uns in diesem Geist zu erneuern. Das Jubil\u00e4um ist ein von der Vorsehung geschenktes Vorspiel zum kommenden Generalkapitel.<\/p>\n<p>Ich war mit dem Generalvikar am Grab unseres Gr\u00fcnders in Vic mit allen von euch in unserem Herzen. Ich trug das Gespr\u00e4ch, dass wir mit unserem Gr\u00fcnder im Vigilgottesdienst f\u00fchrten, in den n\u00e4chsten Tagen weiter. Ich m\u00f6chte euch etwas von meinen inneren Regungen mitteilen, wie ich das Leben unseres Gr\u00fcnders betrachtete. Ich brachte auch einige Bitten vor, dass die Kongregation in unserer Zeit fruchtbar sein m\u00f6ge.<\/p>\n<p>Die beiden \u201egro\u00dfen Gnaden\u201c <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> die der Gr\u00fcnder in den h\u00e4rtesten Zeiten seines Lebens empfing, sind auch f\u00fcr uns kostbar. Die erste war die eucharistische Gegenwart, die er den ganzen Tag \u00fcber erfuhr. Wir m\u00fcssen die Dualit\u00e4t von Gottes Zeit und unserer Zeit, von weltlichem und g\u00f6ttlichen Leben, von Leben in der Kapelle und Leben au\u00dferhalb \u00fcberwinden und nur eine Zeit und eine sakramentale Wirklichkeit der unsichtbaren Gabe haben, die unser sichtbares Leben und unsere Beziehungen leitet. Ohne diese sakramentale Dimension w\u00e4ren wir ein lebloser K\u00f6rper, eine Leiche. Lasst den Herrn uns \u00fcberall, wo wir sind, die Gnade seiner lebendigen Gegenwart gew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Die zweite gro\u00dfe Gnade unseres Gr\u00fcnders war die Gabe der Vergebung, die er denen erwies, die ihm feindlich gesinnt waren. Clarets Einstehen f\u00fcr die Werte des Evangeliums bewirkte, dass ihn manche Leute hassten und alles m\u00f6gliche taten, seinen Namen zu beschmutzen und ihn sogar zu t\u00f6ten. Die Gabe der Vergebung war eine gro\u00dfe Gnade in Weiterf\u00fchrung der sakramentalen Gnade der Gegenwart Jesu in seinem Herzen. Die Freude eines Herzens, das Vergebung empfangen hat und vergibt, bringt Leben hervor. Wenn ein Missionar mit einem verwundeten Herzen lebt und Unvers\u00f6hnlichkeit und Hass h\u00e4tschelt, wird sein Herz den Tricks des Teufels \u00fcberlassen. Unsere Vorbereitung auf das Generalkapitel sollte ein Weg der Vers\u00f6hnung und Vergebung untereinander und gegen\u00fcber den Menschen, denen wir dienen, sein. Je freier wir in unserem Herzen sind, umso freier werden wir Gott f\u00fcr das Wirken der Gnade in uns verf\u00fcgbar sein.<\/p>\n<p>Am Grab unseres Gr\u00fcnders brachte ich f\u00fcnf Bitten auf die F\u00fcrsprache unseres Gr\u00fcnders vor. Ich m\u00f6chte euch die erste mitteilen, die sehr relevant ist f\u00fcr unseren weiteren Weg und die Vorbereitung auf das Kapitel. Es ist die Bitte um die Gnade des <strong>Zeugnisses der Einheit<\/strong>. Das ist die Gabe, die wir heute am meisten brauchen, um dem Ruf des Papstes in der Enzyklika <em>Fratelli Tutti<\/em> zu folgen.<\/p>\n<p>Was will ich mit \u201eZeugnis der Einheit\u201c sagen? Gemeinschaft, \u201ekononia\u201c ist eine Gabe wie ein Diamant mit vielen strahlenden Ecken, der aber ein einziges kostbares St\u00fcck bleibt. Das Zeugnis der Einheit ist die Summe aller unserer Beziehungen, die auf der Liebe Gottes zu jedem von uns und zur ganzen Sch\u00f6pfung gr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Der Kern der Einheit ist die Liebe Gottes, die alle unsere Beziehungen verbindet. Ein Missionar, dessen Herz nicht in Gott verwurzelt ist, hinkt in allen Beziehungen, selbst wenn er verspricht, f\u00fcr Gott zu leben und ihn mit seinem ganzen Herzen, all seinen Gedanken und seinem ganzen Willen zu lieben. Ich glaube, unsere innige Verbindung mit Gott geht auch durch Phasen, die eine Verschiebung von \u201eich tue etwas f\u00fcr Gott\u201c zu der Entdeckung, dass \u201eGott sein Werk durch mich vollbringt\u201c beinhaltet. In allen unseren Beziehungen h\u00e4lt wahre Liebe in Zeiten der Pr\u00fcfung aus.<\/p>\n<p>Das Gemeinschaftsleben ist die n\u00e4chste Ebene einer echten Einheit. Es kostet etwas, mit Menschen zu leben, die verschiedene Charakterz\u00fcge, Einstellungen, Temperamente und ideologische Tendenzen haben. Wie ein Orchester ist es der M\u00fche wert, nach br\u00fcderlicher Einheit und Mission in Gemeinschaft zu streben. In der Tat ist die Einheit in der Gemeinschaft eine Symphonie der Liebe des Evangeliums, die von den Herzen der Mitbr\u00fcder gespielt wird und die wir als Missionare meistern m\u00fcssen. Es ist so traurig, wenn wir gro\u00dfe Missionare sehen, die ihre Gaben nicht in ihren Gemeinschaften orchestrieren k\u00f6nnen, oder Gemeinschaften, die sich nicht an ihren Gaben freuen k\u00f6nnen. Wenn jeder von uns das Gel\u00e4nde seiner Autorit\u00e4t und seines Dienstes wie ein stolzer L\u00f6we bewacht, ist eine br\u00fcderliche Einheit in einer Gemeinschaft nicht m\u00f6glich. Ich erinnere mich an eine Anekdote. Als ein Bewunderer die bewundernswerte Natur eine begabten Claretiners r\u00fchmte, der bei den Leuten beliebt war, fragte ihn ein einfacher Mitbruder in seiner Gemeinschaft: \u201eHas du mit ihm in Gemeinschaft gelebt?\u201c<\/p>\n<p>Ein afrikanisches Sprichwort sagt: \u201eWenn du schnell gehen willst, geh allein. Wenn du weit gehen willst, geh miteinander.\u201c Ein Einzelg\u00e4nger bringt als Missionar eine kurze Zeit lang eine gute Leistung, aber er ist ruhelos, wenn er langsamer gehen muss, um seine Mitbr\u00fcder mitkommen zu lassen. Das ist eine wirkliche Versuchung f\u00fcr viele von uns. Wir brauchen das Modell eines Orchesters, um der Welt gemeinsam etwas Sch\u00f6nes darzubieten. Es gibt blutende Gemeinschaften, die verletzt sind durch den Beschuss der eigenen Leute, weil sie unf\u00e4hig sind, zusammenzusitzen, miteinader zu reden und ihr missionarisches Wirken gemeinsam das missionarische Wirken ins Auge zu fassen, indem sie ihre Gaben und Talente zusammenbringen. Es macht traurig, wenn man sch\u00f6ne Missionen sieht, die in solchen blutenden Gemeischaften verletzt und behindert sind. Sie tun sich nicht nur selbst weh, sondern auch Gott und den Menschen. Der Kult der individuellen Freiheit und die Privatheit der modernen Kultur macht den Zusammenhalt in einer Gemeinschaft zu einer Herausforderung. Die br\u00fcderliche Einheit in der Gemeinschaft ist eine Aufgabe in sich. Das ist die Gnade, um die ich den Herrn auf die F\u00fcrsprache unseres Gr\u00fcnders gebeten habe. Es ist leicht, Spaltung in die Gemeinschaften zu s\u00e4en im Namen von Ideologien, Region, Stamm, Kultur, Kast und Tradition, aber schwierig, zerrissene Beziehungen zu flicken. Wir m\u00fcssen uns trainieren, mehr Anhaltspunkte in unserem Herzen zu haben, um die Unterschiedlichkeit der Perspektiven und Interssen in die Einheit unsere claretinischen Lebens und unserer Sendung zu integrieren.<\/p>\n<p>Die dritte Ebene der Einheit ist die Einheit zwischen verschiedenen Charismen und Lebensformen in der Kirche und in der Gesellschaft. Spaltendes Denken, das die Welt aufteilt in \u201ewir&#8220; und sie zwischen Laien und Klerikern, Di\u00f6zesanen und Ordensleuten, traditionellen und liberalen Katholiken und andere erfundene Unterschiede, macht uns zu Schachfiguren des B\u00f6sen, der umhergeht wie ein br\u00fcllender L\u00f6we und sucht, wen er verschlingen kann. Wir werden nicht Futter f\u00fcr den Plan des Teufels werden, die menschliche Br\u00fcderlichkeit zu zerst\u00f6ren. Unser Herz sollte imstande sein, jeden Menschen ohne R\u00fccksicht auf seine Religion, Kultur und Rasse und die ganze Sch\u00f6pfung mit einem Sinn der Br\u00fcderlichkeit zu umarmen.<\/p>\n<p>Auch wenn die Corona-Pandemie ein Anlass zur Besorgnis ist, sehe ich Menschen, die sich an ihre Gegenwart in der Gesellschaft als Mitglied der Virenfamilie gew\u00f6hnt haben. Das Bewusstsein ihrer Gegenwart hilft uns, Vorsichtsma\u00dfnahmen zu ergreifen. Weit gr\u00f6\u00dfere Sorgen bereiten mit die Viren der Gewalt, Spaltung und Zersplitterung in der Gesellschaft, die in der letzten Zeit konkrete Ausdrucksformen gefunden hat. Ich denke an die j\u00fcngsten sinnlosen Massaker in Frankreich und \u00d6sterreiche. Das Evangelium von der Liebe und der universalen Br\u00fcderlichkeit der Menschen ist das Heilmittel gegen Gewalt und Spaltung. \u00dcben wir bewusst das Zeugnis der Einheit, indem wir unser Herz f\u00fcr die heilende Liebe des auferstandenen Herrn \u00f6ffnen, wenn wir als Missionare mit Geist weitergehen. Gott segne euch alle.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <em>Autobiographie,<\/em> 694. Am 26. August 1861 um sieben Uhr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Mitbr\u00fcder, \u201eIhr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man z\u00fcndet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus. 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